|
Studie über Wachstumspotenzial
|
|
|
Wien, 23. November 2006 – „In den neuen EU-Mitgliedstaaten sowie den südosteuropäischen Reformstaaten stehen die Weichen auch in den kommenden 15 Jahren eindeutig auf Wachstum", fasst Mag. Heinz Sernetz, Mitglied des Vorstands der Raiffeisen Investment AG, eine von Raiffeisen Research erstellte Studie über das künftige Wachstumspotenzial in CE (Central Europe) und SEE (South Eastern Europe) zusammen. Nachdem Österreichs Unternehmen bereits in den vergangenen 15 Jahren von der Dynamik dieser Region überproportional profitiert haben, heißt es jetzt „dran bleiben und den Startvorteil weiter nutzen". Denn CE/SEE bleibe auch in den kommenden Jahren die am zweitschnellsten wachsende Wirtschaftsregion der Welt – nach China und Indien. Nachdem Raiffeisen Research bereits seit Beginn der 1990er Jahre die Erfolgsgeschichte der Region mit seinen Analysen begleitet, wurde jetzt im Auftrag der Raiffeisen Investment AG untersucht, wie sich die „Konvergenzstory" bis 2020 weiterentwickeln wird. Ergebnis ist eine in diesem Umfang einmalige Studie über das Wachstumspotenzial in CE/SEE in den kommenden 15 Jahren. „Wir wollten wissen, welche Entwicklungstrends und Strukturänderungen sich in Osteuropa abzeichnen und welche Chancen sich dadurch für Österreichs Unternehmen ergeben", erläutert Mag. Peter Brezinschek, Leiter von Raiffeisen Research, anlässlich der Präsentation der Hauptergebnisse. Analysiert wurden dabei sowohl die gesamte Region wie die jeweiligen Länder und ausgewählte Sektoren. Länder- und branchenspezifische Ergebnisse werden in den kommenden Wochen veröffentlicht. Ein Management Summary ist ab sofort auf www.raiffeisen-investment.com und www.rzb.at abrufbar. Wirtschaftswachstum in CE (4,5%–5,5%) und SEE (4,75%–6,0%) bleibt weiter überdurchschnittlich Die Märkte in CE und SEE haben einen beispiellosen Zufluss ausländischer Direktinvestitionen in den vergangenen Jahren erlebt. Dadurch wurde ein Aufholprozess eingeleitet, der Länder wie Slowenien, Tschechien, Ungarn, Slowakei und Polen zehn bis 20 Prozentpunkte näher an das EU-Durchschnittseinkommen gebracht hat. Allerdings bleibt die Spreizung innerhalb dieser Gruppe relativ hoch. Während Slowenien bereits rund 80% erreicht, ist die Annäherung an den EU-Durchschnitt in Polen erst zu 50% erfolgt. Mit etwas Verspätung hat dieser Aufholprozess auch in Südosteuropa eingesetzt. Seit 2000 ist der Wirtschaftsmotor in Kroatien, Rumänien, Bulgarien, Serbien und Bosnien-Herzegowina voll angelaufen. „Insgesamt beläuft sich das Potenzialwachstum in den nächsten fünf bis acht Jahren in der CE-Region auf mindestens 4,5% mit einer ab 2015 zu erwartenden Abnahme auf 3,2% gegen Ende des nächsten Jahrzehnts", so Brezinschek. In SEE hingegen liegt das Potenzialwachstum nochmals um 0,5 Prozentpunkte höher. „Die Erfahrung von Staaten wie Spanien, Portugal aber auch Österreich zeigt, dass mit dem EU-Beitritt zusätzliche Wachstumsimpulse auftreten. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass hier das reale Wachstum zusätzlich um 0,5 Prozentpunkte angeschoben wird", schätzt Brezinschek. Mit diesen „externen Effekten" – initiiert v.a. durch Infrastrukturinvestitionen und Co-Finanzierungen aus dem EU-Budget – sei für die neuen EU-Mitgliedstaaten bis 2009 und für Rumänien und Bulgarien bis 2012 zu rechnen. Aufholprozess sehr langfristig Trotz aller beeindruckender Dynamik bleibt der Aufholprozess ein sehr langfristiges Projekt. „Wir rechnen damit, dass im Jahr 2020 nur Slowenien und Tschechien das durchschnittliche BIP pro Kopf in der EU erreichen werden", ist Brezinschek realistisch. Immerhin würden Ungarn und die Slowakei dann zumindest das Niveau des aktuellen EU-Durchschnitts-BIP pro Kopf erreichen. Für Rumänien und Bulgarien bleibt aber auch dieses Ziel, trotz eines hohen Wachstums, selbst in 15 Jahren noch Illusion. So würde das BIP pro Kopf in den beiden neuesten EU-Mitgliedern von aktuell einem Drittel auf rund die Hälfte des EU-Durchschnitts ansteigen. Industrie sorgt kurzfristig für starke Wachstumsimpulse – Dienstleistungssektor langfristig Getragen wird die dynamische Wachstumsphase der kommenden fünf bis sieben Jahre vor allem durch eine kräftige Ausweitung der Investitionstätigkeit in Infrastruktur, Bau und Ausrüstungen. Da gleichzeitig die Produktivität der CE- und SEE-Länder vorerst weiter signifikant über den Lohnsteigerungen liegen wird, führen niedrigere Lohnstückkosten zu höherer Wettbewerbsfähigkeit, steigenden Marktanteilen der Unternehmen auch im Ausland und damit überproportionalem Wachstum der Exporte. Diese Effekte auch in Zusammenwirken mit EU-Finanzierungen kommen hauptsächlich dem Industriesektor zugute. „Wir erwarten daher nach einem moderaten bis markanten Rückgang der Industrieanteile am BIP-Kuchen eine vorübergehende Ausweitung des Sekundärsektors in den nächsten Jahren. Das Wachstum der Industrieproduktion wird von uns folglich höher als das BIP-Potenzialwachstum von 4,5 (CE) bzw. 5,0 % (SEE-Länder) prognostiziert", erläutert Brezinschek. Ähnliches sei von der Bauwirtschaft und teilweise von Transport und Telekom zu erwarten. Diese „Reindustrialisierung" dürfte aber nur bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts anhalten und ab 2012 wieder abflauen. Im Dienstleistungssektor wird die starke Dynamik großteils von inländisch ansässigen Unternehmen erfolgen können, da die inländische Ersparnisbildung genügend Kapitalmittel hierfür zur Verfügung stellen wird. Die großen Ausnahmen sind jedoch der Banken-, Versicherungs- und Tourismusbereich, wo Raiffeisen Research primär ausländische Kapitalgeber im CE- und SEE-Bereich in Aktion treten sieht. „Insgesamt wird der Dienstleistungssektor in den CE-Ländern vor allem im nächsten Jahrzehnt den stärksten Wachstumsmotor abgeben", so Brezinschek. Mit Ausnahme der traditionellen Industrienationen Tschechien, Slowakei und Polen dürfte die Wertschöpfung am Bruttoinlandsprodukt (BIP) deutlich über die 50-Prozentmarke wandern und damit jetzige EU-Länderstrukturen erreichen. Auch in den SEE-Ländern sind die Weichen ab 2012 bis 2014 in Richtung Dienstleistungssektor gestellt. Euro-Beitritt nur sehr langfristig zu erwarten und sinnvoll Für den Beitritt zum Euro sieht der RZB-Chefanalyst Brezinschek nur sehr langfristige Perspektiven. „Eine unabhängige Wechselkurspolitik bleibt bis auf weiteres für diese offenen Volkswirtschaften ein unverzichtbares Mittel zur Wirtschaftssteuerung." Mit Ausnahme Sloweniens sei mit den ersten Beitritten frühestens 2010 – „eher noch später" zu rechnen. Österreichs Unternehmen haben die Chancen genutzt und können weiter profitieren „Österreichs Unternehmen haben das Wachstum vor der Haustür optimal genutzt und überproportional profitiert", erläutert Sernetz anlässlich der Studienpräsentation. Damit konnte sich Österreich vom nur sehr unterdurchschnittlichen Wachstum in der EU und besonders in Deutschland abkoppeln. So legten die Unternehmensgewinne doppelt so stark und die Exporte um das Dreifache zu. „Nun gilt es, die sich weiter bietenden enormen Potenziale zu nutzen". Insbesondere für Industriebetriebe bieten die nächsten fünf Jahre mit der „Reindustrialisierung" besonders große Chancen, bevor es hier zu einer „Beruhigung" kommen wird. Für Dienstleistungsbetriebe gelten die überproportionalen Wachstumsschätzungen über die kommenden fünf Jahre hinaus mindestens bis 2020, sind sich Sernetz und Brezinschek einig. So offerieren die Bereiche Bau, Telekom, Energie, Finanzdienstleistung, Handel und Transport sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten. Auch im „ureigenen Geschäft" der Raiffeisen Investment AG – Privatisierungen und Mergers & Acquisition – bieten sich noch zahlreiche Möglichkeiten für heimische Investoren. „Große Teile der Infrastruktur in Ost- und Südosteuropa müssen dringend modernisiert werden. Wir können hier den österreichischen Unternehmen nur raten, weiter so am Ball wie bisher zu bleiben und vielleicht noch einen Gang zuzulegen – besonders in den kommenden fünf Jahren", so Sernetz abschließend. |
|

Wachstumsstory der vergangenen 15 Jahre setzt sich auch bis 2020 fort – Wirtschaftswachstum in CE und SEE bleibt weiter deutlich überdurchschnittlich – Österreich hat Chancen genutzt und kann weiter besonders profitieren