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Wachstumsdynamik in CEE

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Anhaltende Wachstumsdynamik in Zentral- und Osteuropa – Aufschwung ohne Ende?

Wien: Nach einem sensationellen Jahr auf den Finanzmärkten Zentral- und Osteuropas mit einem kräftigen Konjunkturschub stellt sich – ebenso wie im Westen – die Frage nach der Nachhaltigkeit dieses Trends. Und auch hier sollte sich die 2005 wieder gewonnene Wachstumsdynamik im Verlauf dieses Jahres weiter beschleunigen.

Dabei dürfte die Dynamik in allen drei Regionen Zentraleuropa (CE), Südosteuropa (SEE) sowie der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (CIS) Bestand haben. Für CE (neue EU-Mitgliedsstaaten) erwartet Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB), ein durchschnittliches reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4,5 Prozent nach 3,8 Prozent im Jahr 2005: „Herausragen wird hier die Slowakei mit schätzungsweise 5,7 Prozent, die von dem Boom der Investitionen besonders profitiert".

CIS weiterhin Wachstums-Spitzenreiter

In der Region ausgeglichen sieht der Experte die Wachstumsaussichten für SEE mit 5,0 Prozent nach 4,5 Prozent im Vorjahr weiter nach oben gerichtet. Hier macht sich der europäische Integrationsprozess von Bukarest bis Tirana positiv bemerkbar. Am stärksten dürfte jedoch weiterhin die Region CIS expandieren. Dabei würde der durchschnittliche BIP-Anstieg von rund 5,5 Prozent ohne den Sonderfall Ukraine noch kräftiger ausfallen. Insgesamt ist das Wachstum in Zentral- und Osteuropa sowohl auf Binnen- als auch Exportnachfrage breit abgestützt. Problematisch ist in der CIS und teilweise am Balkan (Serbien, Rumänien) noch immer die Inflation. Dies gilt insbesondere für die Ukraine, die nach dem neuen Gasabkommen eine Beschleunigung der Teuerungsrate von 11,0 auf 17,0 Prozent erfahren könnte.

Ukraine – Wachstumsknick nach Gasstreit

„Die schlagartige Energiepreisverteuerung wirkt wie ein externer Schock auch auf die Wachstumsentwicklung negativ", so Brezinschek. „Die hohe Energieabhängigkeit großer Industrieteile, wie Chemie, Metall und Metallverarbeitung, Maschinenbau und Stahl, und die klare Exportorientierung mit 52 Prozent der Wirtschaftsleistung drosseln 2006 das BIP-Wachstum auf 0,5 Prozent." Für 2007 erwartet Brezinschek wieder eine Steigerung auf 3,5 Prozent.

Die auf diese Weise abnehmende Wettbewerbsfähigkeit dürfte in der Folge auch zu einer negativen Leistungsbilanz führen. Auf Grund der unklaren Aussichten ist auch ein vorübergehender Rückgang der Auslandsinvestitionen zu befürchten. Insgesamt könnte die ukrainische Hryvnia (UAH) damit im ersten Halbjahr gegenüber dem US-Dollar von aktuell 5,05 auf 5,20 abwerten.

Langfristig bietet die Energieverteuerung der Ukraine die Chance, die Energieeffizienz drastisch zu steigern – immerhin verbraucht die Ukraine 4,5 mal soviel Energie je Produktionseinheit für das Bruttoinlandsprodukt wie Österreich. Brezinschek erwartet eine deutliche Investitionsbelebung spätestens im zweiten Halbjahr 2006. Da die Realzinsen negativ sind (nominelle Zinsen bei 10,5 bis 11 Prozent abzüglich jahresdurchschnittliche Inflation von 15 Prozent ergibt minus 4 bis 4,5 Prozent), stellt dies für die Unternehmen einen Anreiz zur Produktivitätsverbesserung dar. Das Wahlergebnis im März wird hier mitentscheidend sein.

2006 Superwahljahr in CEE

Wie überhaupt 2006 ein Superwahljahr in Osteuropa sein wird, das sich im Hinblick auf die Finanzmärkte im Wesentlichen auf die Währungen auswirken wird. Denn die neuen politischen Konstellationen sind ausschlaggebend für den Euro-Fahrplan der neuen EU-Staaten.

In Ungarn (April 2006) etwa wird unabhängig vom Wahlausgang eine Verschiebung der Euro-Einführung auf 2012 oder 2013 zementiert werden, da hier noch viele Reformschritte nötig sind, bevor die Währungsunion spruchreif wird. Um den Wahltermin könnte der Ungarische Forint (HUF) bis auf 260 zum Euro abwerten, um sich danach wieder zu stabilisieren.

In Tschechien (Juni 2006) dürfte bei einem Wahlsieg der Sozialdemokraten der Beitritt zum Europäischen Wechselkursmechanismus EWS II 2007 erfolgen und damit der angepeilte Euro-Eintrittstermin 2010 halten. In der Slowakei (Herbst 2006) haben die Koalitionsparteien derzeit keine Mehrheit. Die aktuell führende linkspopulistische SMER spricht sich gegen eine rasche Euro-Einführung und möglicherweise sogar eine Revision erfolgreicher Reformen aus.

Tendenziell positive Entwicklung bei Währungen

Insgesamt dürften die Ostwährungen 2006 gegenüber dem Euro zulegen können, auch wenn die Zinstalfahrt der letzten Jahre beendet ist. Vereinzelt sind sogar Zinsanhebungen wahrscheinlich. Dies gilt beispielsweise für Tschechien, wo die Zinspolitik jener der EZB nachhinkt, oder die Slowakei. Bei anhaltender Aufwärtsbewegung der Währungen wird sich der Trend zur Renditeannäherung an die Eurozone insbesondere im zweiten Halbjahr 2006 verfestigen. Es dürfte zwar bessere Einstiegszeitpunkte als das aktuelle Kursniveau geben, doch auf Jahressicht bieten langlaufende PLN- (4,8 Prozent), HUF- (6,7 Prozent) und RON-Staatsanleihen (6 - 6,5 Prozent) ein attraktives Investment.

Neue Rekordstände an den Börsen

Am Aktienmarkt ist aufgrund der Fundamentaldaten ein Ende der Rekordjagd noch nicht in Sicht. Der Jahresstart hätte mit plus 3,3 Prozent (Polen, Tschechien) bis 10,3 Prozent (Russland) nicht fulminanter ausfallen können. Der generelle Gewinnwachstumstrend für die gesamte Region Zentral- und Osteuropa wird mit 15 Prozent beinahe doppelt so hoch geschätzt wie in der Eurozone (+7,9 Prozent). Dennoch hält Brezinschek die Gewinnprognosen in einigen Ländern für zu vorsichtig angesetzt, sodass positive Überraschungseffekte den Aktienkursen weiterhin Auftrieb geben sollten.

Die Kursziele der RZB für März liegen beim RTSI bei 1.320 (akt.1.239), beim BUX 23.500 (akt. 22.150) beim WIG 20 bei 2.950 (akt. 2.785) und beim PX50 bei 1.580 (akt. 1.513). Parallel zu den etablierten Märkten muss ab dem Frühjahr mit einer heftigen Korrektur im Ausmaß von gut 15 Prozent von den Höchstständen gerechnet werden. Doch im Verlauf des zweiten Halbjahres sollten sich die günstigen Rahmenbedingungen wieder durchsetzen und im vierten Quartal für neue Jahreshöchststände sorgen. Die RZB-Branchenfavoriten sind Finanz, Öl/Gas sowie in Russland Telekommunikation. In der CEE-Asset Allocation der RZB werden dementsprechend Aktien mit 60 Prozent gegenüber Anleihen mit 40 Prozent deutlich übergewichtet. Die Favoriten sind dabei Russland vor Ungarn und Rumänien.

Ostaktien: Top- Empfehlungen

Wird Pliva aufgrund eines Restrukturierungsprogrammes für 2005 noch einen Verlust ausweisen, so erwartet Mag. Birgit Kuras, Chefanalystin und Leiterin Equity Capital Markets der Raiffeisen Centrobank AG, für 2006 keine negativen Überraschungen mehr, sondern eine bereits deutliche Ergebnisverbesserung.

Pliva ist das größte an CEE-Börsen notierte Pharmaunternehmen mit den Hauptmärkten Osteuropa, Russland, Westeuropa und USA. Die therapeutischen Schwerpunkte liegen auf Onkologie, Psychiatrie, Herz und Allergien. Nach Umsetzung einer Strategieänderung ist Pliva auf die Herstellung von Generika fokussiert. Kuras ist überzeugt, dass das Gelingen der Restrukturierung und die günstigen Rahmenbedingungen der Aktie ein attraktives Kurspotential geben werden.

Mit einem KGV von 11,3 ist OTP im Vergleich zur Peer Group günstig bewertet. OTP hat als Nr. 1 im Privatkundengeschäft in Bulgarien eine starke Marktstellung und ist auch mit einer kleinen Bank in Rumänien, in dieser sehr stark wachsenden Region Südosteuropas, präsent. Positiv sollte sich laut Kuras auch die weitere OTP Expansionsstrategie in die Wachstumsmärkte Ukraine, Rumänien und Kroatien auswirken, wo es mit Splitska Banka, CEC und Ukrsotsbank bereits konkrete Akquisitionsziele gibt.

PKN hat in Polen eine starke heimische Marktposition und ist Price-Setter. Eine sehr hohe Nachfrage nach Ölprodukten bringt Polen im CEE-Vergleich ein überproportionales Wachstum in diesem Bereich, daher kann PKN als Downstreamunternehmen von den hohen Raffineriemargen profitieren. Interessantes Potential sieht Kuras auch in der Neuakquisition von Unipetrol, wodurch PKN Raffinerie- und Petrochemie- Assets erworben hat. Darüber hinaus könnte die zurzeit in Diskussion stehende Zusammenlegung von PKN und Lotos weiteres Synergiepotential freilegen.

In den Märkten Russland, Belarus, Ukraine, Turkmenistan, Usbekistan und Kirgistan ist MTS der größte Mobiltelefoniebetreiber mit einem Marktanteil von 35 Prozent in Russland und mehr als 50 Prozent in der Ukraine. Ein deutliches Wachstumspotenzial sieht Kuras auch darin, dass die Marktpenetration insgesamt mit 60 Prozent noch einiges an Potenzial aufweist. Tendenziell fallende Durchschnittspreise pro Minute sollen durch zusätzliche Serviceleistungen kompensiert werden können. Langfristig sollten Ebit-Margen von 45 bis 50 Prozent möglich sein. Die attraktive Bewertung und verbesserte Marketingmaßnahmen sollten der Aktie weiterhin ein interessantes Potential geben.

Die Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB) ist das Spitzeninstitut der Raiffeisen Bankengruppe, der stärksten Bankengruppe Österreichs. Sie ist in Österreich als führende Kommerz- und Investmentbank tätig und betrachtet auch Zentral- und Osteuropa (CEE) als ihren Heimmarkt. Über die börsenotierte Raiffeisen International Bank-Holding AG (Raiffeisen International) betreibt sie eines der führenden Bankennetzwerke in CEE mit 16 Tochterbanken und zahlreichen Leasingfirmen in 16 Märkten. 9,2 Millionen Kunden werden im Wege von 2,400 Geschäftsstellen betreut.

Wien, 17. Jänner 2005

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Andreas Ecker-Nakamura
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